Was machen wir Bundessprecher*innen eigentlich?

Diese Frage konnten wir selbst größtenteils nicht beantworten, bevor wir das Einführungsseminar in Schleife besucht hatten. Wir hatten immer wieder mal etwas von „Interessensvertretung der BFDler*innen“ gehört, aber wer kann sich darunter schon etwas Konkretes vorstellen!?
Deshalb haben wir versucht, unsere Arbeit und Philosophie in diesem Text zu beschreiben. So sollen alle, die sich für den BFD interessieren, auch direkt wissen können, was die Bundessprecher*innen dabei für eine Rolle spielen.

Die Rechtsgrundlage

Im Bundesfreiwilligendienstgesetz steht in Paragraph §10: „Die Freiwilligen wählen Sprecherinnen und Sprecher, die ihre Interessen gegenüber den Einsatzstellen, Trägern, Zentralstellen und der zuständigen Bundesbehörde vertreten. […]“ (Quelle)  Auf der BFD-Internetseite (www.bundesfreiwilligendienst.de) findet man außerdem diese Definition: „Die gewählten Sprecherinnen und Sprecher repräsentieren vor allem die Bundesfreiwilligendienstleistenden nach außen und vertreten ihre Interessen auch gegenüber dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und dem Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA). D. h., sie sollen Ansprechpersonen für die Belange der Bundesfreiwilligendienstleistenden sein, ihre Probleme aufnehmen und im Bedarfsfall Hilfestellung leisten bzw. vermitteln sowie ihnen bekannte oder bekannt gewordene Missstände im BFD dem BMFSFJ oder dem BAFzA melden. Sie können außerdem Ideen und Verbesserungsvorschläge sammeln und einbringen und über best practice-Beispiele informieren.“ (Quelle)

Wir, die Bundessprecher*innen, sind also in erster Linie Repräsentant*innen und Interessensvertreter*innen aller Bundesfreiwilligen. Wir nehmen dabei eine Vermittlungsposition zwischen den Freiwilligen und dem für die Freiwilligen zuständigen Ministerium/Amt ein.

Unser Selbstverständnis

Unser Selbstverständnis deckt sich natürlich mit der Rechtsgrundlage. Besonders stark sehen wir uns dabei als politische Interessenvertreter*innen: Wir setzen uns für alle Bufdis ein. Dabei geht es zwar auch um die persönlichen Probleme und Anliegen („Kummerkasten“), insbesondere aber um die Ansprüche aller Bufdis – und solcher, die gerne einen BFD machen würden. Denn: Nicht alle Menschen können sich einen BFD leisten. Wir wollen uns, im Interesse dieser Menschen, darum bemühen, die (z.B. finanziellen) Barrieren zu senken.

Denn ein BFD ist für uns nicht nur ein „Lückenfüller“, weil man den NC für sein Studium nicht hatte oder die Ausbildung erst nächstes Jahr beginnt.
Ein BFD ist in vielen Fällen eine ganz bewusste Entscheidung, sich zu engagieren. Von solchen solidarischen Handlungen lebt unsere Gesellschaft, und deshalb setzen wir uns dafür ein, dass alle Bufdis mehr Wertschätzung erfahren.
Wir kennen die negativen Erfahrungsberichte von (ehemaligen) BFDler*innen, die als billige Putz- oder Hilfskräfte missbraucht wurden. Solche Fälle darf es nicht nur aus oben genannten Gründen nicht geben, es wiederspricht auch der Arbeitsmarktneutralität: Ein/e BFDler*in darf keine reguläre Arbeitskraft ersetzen. Das tut sie/er jedoch in vielen Fällen, und das ist ungerecht für den/die betroffene/n BFDler*in und für die regulären Arbeitskräfte.  

Einen dritten zentralen Punkt (neben Interessensvertretung und dem (damit verbundenen) Einsetzen für Wertschätzung) stellt das junge Engagement in unserem Selbstverständnis dar.
Vielen junge Menschen ist die politische Situation momentan egal, sie gehen nicht wählen (deutlich sichtbar an der Wahlbeteiligung nach Altersgruppen) und engagieren sich auch sonst nicht im politischen Sinne. Doch gerade sie sind es, die mit den heutigen Entscheidungen später leben werden. Junge Menschen bringen neue Denkweisen mit ein. Sie hinterfragen vieles kritischer, was Ältere „so hinnehmen“, weil sie es gewohnt sind. Kurz: Junges Engagement ist ein zentraler Bestandteil einer funktionierenden Gesellschaft.
Diese Ansicht vertreten wir, und deshalb haben wir uns auch zu Bundessprecher*innen wählen lassen. Wir sehen uns in der Position, BFDler*innen ein Sprachrohr zu geben, damit diese sich ganz direkt politisch einbringen können.

Was machen wir konkret?

Wir haben uns in Arbeitsgruppen organisiert, die jeweils unterschiedliche Bereiche des Amtes abdecken:

  • Öffentlichkeitsarbeit
    In dieser Arbeitsgruppe tun wir alles dafür, um mehr Menschen auf den BFD und seine Bundessprecher*innen aufmerksam zu machen. Nur so können wir diejenigen erreichen, die wir schlussendlich auch repräsentieren wollen und sollen.
    Wir machen aber auch auf den BFD/Freiwilligendienste im Allgemeinen aufmerksam, um zu zeigen, dass sich viele Menschen freiwillig engagieren und diese einen sehr wichtigen Teil unserer Gesellschaft darstellen!
  • Wertschätzung
    Es klang bei der Öffentlichkeitsarbeit schon an: Wir glauben, dass die Freiwilligendienste sehr wichtig für unsere Gesellschaft sind. Menschen setzen sich für andere ein, ohne viel Gegenleistung zu verlangen – das sollte viel mehr wertgeschätzt werden. In diesem Jahr fokussieren wir uns besonders auf #freiefahrtfürfreiwillige – eine Aktion, durch die Freiwillige kostenlose oder zumindest angemessen vergünstigte Fahrkarten erhalten sollen. Dies sorgt für mehr Chancengleichheit unter den Freiwilligen und natürlich dafür, dass die Freiwilligen Anerkennung spüren.
  • Inhalt
    Die Arbeitsgruppe Inhalt befasst sich mit allem, was nicht den Inhalt „Wertschätzung“ hat. Momentan ist das vor allem die Ausarbeitung einer Stellungnahme zu dem neuen Konzept für ein Jugendfreiwilligenjahr, das Frau Dr. Giffey (Familienministerin) vergangenen Dezember vorschlug.
    Die Arbeitsgruppe „Inhalt“ ist sehr variabel und wird immer dann aktiv, wenn es etwas Konkretes gibt, bei dem die Bundessprecher*innen aktiv werden können.
  • Netzwerk
    Zusammen ist man stärker. Daher baut die Arbeitsgruppe „Netzwerk“ Kontakte zu allen auf, die etwas mit den Freiwilligendiensten zu tun haben – ganz zentral natürlich zu den Sprecher*innen des FSJ und FÖJ. Diese Gruppe arbeitet sehr eng Öffentlichkeitsarbeit, da natürlich auch Kontakte zu den Freiwilligendienstleistenden selbst hergestellt werden sollen (Stichwort Bundesfreiwilligenvernetzung).
  • Strukturaufbau
    Ein großes Problem von uns Bundessprecher*innen ist, dass unsere Amtszeit nur ein Jahr beträgt und wir danach kaum noch in die Bundessprecher*innenarbeit miteinbezogen werden (können). Die Arbeitsgruppe „Strukturaufbau“ beschäftigt sich daher mit den Möglichkeiten, die wir haben, um dieses Problem zu umgehen – beispielsweise mit einer Vereinsgründung.

Warum ist es wichtig, was wir tun?

In unserem Selbstverständnis ist vieles von dem, was diese Frage klärt, schon angeklungen. Zum einen ist junges Engagement enorm wichtig für unsere Gesellschaft. Das Sprecher*innenamt senkt die Hürde, Jugendpartizipation zu steigern: Nicht nur den 14 Sprecher*innen wird eine Möglichkeit gegeben, sich zu beteiligen, sondern auch allen Bundesfreiwilligen, die etwas am BFD verändern wollen. Durch die Sprecher*innen haben sie die Möglichkeit, sich aktiv für den BFD einzusetzen und dabei wirklich etwas zu bewegen. Wie genau das möglich ist, findest du im nächsten Abschnitt („Wie kannst du dich engagieren?“).

Natürlich sind wir auch dazu da, auf Missstände aufmerksam zu machen. Bei 40.000 Bundesfreiwilligen in ganz Deutschland braucht es ein Sprachrohr, und das sind wir. Wir machen zum Beispiel darauf aufmerksam, dass BFDler*innen teilweise zum Kaffeeholen und Saubermachen missbraucht werden und arbeiten stets an Lösungen für das Problem der teils fehlenden Wertschätzung.

Wie kannst du dich engagieren?

Da wir eine Instanz der Repräsentation sind, leben wir von der Beteiligung der Freiwilligen an der Gestaltung des Bundesfreiwilligendienstes. Wir brauchen so viele Erfahrungsberichte, Verbesserungsvorschläge und Ideen wie möglich, um unser Amt gut ausüben zu können! Schließlich sind wir nur 14 Menschen und decken damit bei Weitem nicht alle möglichen Einsatzfelder im BFD ab, geschweige denn wissen wir über eher spezielle Probleme Bescheid! Auch können wir Expertise oder helfende Hände immer sehr gut gebrauchen – deshalb bauen wir auf Deine Beteiligung, egal, ob du Bufdi bist, warst, werden willst oder dich einfach engagieren willst.
Es ist kein Geheimnis, dass die Wahlbeteiligung bei den Bundessprecher-Wahlen bei etwa 1% liegt. Das finden wir sehr schade und wünschen uns mehr Engagement von allen Freiwilligen. Die meisten wissen jedoch nicht, was sie tun können (außer wählen „gehen“). Dabei gibt es so einige Möglichkeiten:

  • Der Discord-Channel für alle Freiwilligendienstler: https://discord.gg/UWTxfhc
    Hier vernetzen sich Freiwillige, tauschen sich aus, reden miteinander… Ganz ohne Ansprüche auf Diskussionen über den Freiwilligendienst oder tiefgehende Analysen des BFD-Gesetzes.
  • Der Slack-Workspace, ebenfalls für alle Freiwilligendienstler, ist leider derzeit voll. Wir arbeiten an einer Lösung für das Problem, beispielsweise überlegen wir, ob wir einen Mailverteiler einrichten. Dieser würde beispielsweise über geplante Demos für #freiefahrtfürfreiwillige oder geplante Telefonkonferenzen informieren.
    Wenn du benachrichtigt werden willst, wenn wir eine Möglichkeit gefunden haben, die Kapazitätsbegrenzung zu umgehen, schreib uns per Mail!
  • Schreib uns eine Mail: info@bundessprecher.net oder über das Kontaktformular (Reiter „Kontakt“) oder die persönlichen Adressen unter dem Reiter „Die Sprecher*innen“
    Dies ist besonders wichtig, wenn du ein Problem oder Anliegen hast, das auf jeden Fall gelesen werden muss. Aber auch wenn du dich nicht auf Discord (oder, wenn es dann geht, Slack) beteiligen willst, ist das eine wunderbare Möglichkeit, dich trotzdem einzubringen und uns auf Dinge aufmerksam zu machen.