#FreieFahrtfürFreiwillige

Dass alle Freiwilligen in Deutschland kostengünstig ÖPNV benutzen können, ist für uns ein zentrales Anliegen. Ein Freiwilligenticket fördert die Inklusivität und Anerkennung des BFD und anderer Freiwilligendienste. Wie ein solches Freiwilligenticket aussehen könnte, haben wir uns durch aufwändige Recherche überlegt – die Ergebnisse stellen wir eucht hier vor.

Der Dienst, den wir alle leisten, ist nicht nur von hohem Wert für die Menschen um uns herum, er ist auch ein Bildungsdienst für uns selbst. Er ist ein Dienst, der politisiert, der für gesellschaftliches Engagement sensibilisiert und der in vielerlei Hinsicht eine Lernerfahrung darstellt.

Da ist es kaum vorstellbar, dass diese absolute Win-Win Situation mit Hürden versehen ist, die schätzungsweise rund 40.000 Schulabgänger*innen jedes Jahr den Zugang zum Freiwilligendienst verwehren¹. Die Tatsache, dass ein Freiwilligendienst weder entlohnt wird, wie eine Ausbildung, noch währenddessen ein Anspruch auf BAföG-Leistungen besteht, wie im Studium, kann eine finanzielle Mehrbelastung darstellen, die für einige Freiwillige nicht tragbar ist. Gerade in ländlichen Gebieten, in denen ein Freiwilligendienst zwangsläufig mit einem Umzug oder langen Fahrwegen verbunden wäre, werden finanziell schwächer gestellte Menschen potenziell von dieser wertvollen Erfahrung ausgeschlossen.

Mobilität ist diesbezüglich ein wichtiges Thema, nicht nur für Freiwillige in ländlichen Gebieten. In den 39 größten Städten Deutschlands kostet ein Monatsticket durchschnittlich 71,60€. Das macht auf das Jahr gerechnet 859,20€. Im Vergleich: Studierende zahlen durchschnittlich um die 326€ im Jahr und sind damit teilweise sogar im ganzen Bundesland mobil. Ein wesentlicher Grund für die Einführung des Semestertickets war damals die Kalkulation, dass viele Studierende vom Auto auf den ÖPNV umsteigen würden – eine Rechnung, die aufging. Nun machen wir als Freiwilligendienstleistende, 80.000 an der Zahl, doch sicherlich auch einen diesbezüglich signifikanten und dementsprechend auch förderungswürdigen Anteil an der Gesellschaft aus.
Wo bleibt also das Freiwilligenticket?

Es geht hierbei auch um Anerkennung und Wertschätzung. Ein Freiwilligendienst ist gemessen am Nutzen  für die Gesellschaft deutlich mehr wert als er kostet. Ehrenamt und Engagement kann auf lange Sicht nur erhalten und ausgebaut werden, wenn die flächendeckende Anerkennungskultur dies auch zulässt. Der Wertschätzungscharakter eines Freiwilligentickets wäre enorm – als handfeste Manifestation der Anerkennung der Freiwilligen, als förderungswürdige Stütze der Gesellschaft.

Engagement ist ansteckend – positives Feedback und das Gefühl, etwas zu bewegen, motivieren. Freiwilligen sollte ihre Erfahrungen in die Welt tragen. Oder zumindest erst mal in ihre Gemeinden, ihren Kreis oder ihr Land. Das Freiwilligenticket hätte also dreifach guten Einfluss: es macht die Freiwilligendienste bekannter; es steigert die Attraktivität von Freiwilligendiensten und macht diese inklusiver; und schließlich kann es ein Stück Freiheit und die Möglichkeit zur beruflichen Orientierung bieten – sei es durch den Austausch und die Vernetzung mit anderen oder durch das Erkunden des Umlandes samt Universitäten, Ausbildungsbetrieben und Fachhochschulen. Zu guter Letzt ist es aber unabdinglich zum Erreichen der eigenen Einsatzstelle.

Bei einem Taschengeld von maximal 402€ im Bundesfreiwilligendienst, der aufgrund einer fehlenden Untergrenze aber häufig auch niedriger liegt und von dem nicht selten auch die Lebenshaltungskosten gedeckt werden müssen, haben die wenigsten Freiwilligen 70€ für Mobilität übrig. Welche Konzepte für ein Freiwilligenticket stehen also im Raum?

Ein Semesterticket wird beispielsweise durch einen individuellen Vertrag zwischen der jeweiligen Studierendenschaft und den lokalen Verkehrsunternehmen ermöglicht; die Tarife und konkreten Leistungen müssen hierbei individuell ausgehandelt werden. Warum die Verkehrsunternehmen das mitmachen? Weil die Studierenden eine Solidargemeinschaft bilden. Jeder zahlt, egal, ob er das Ticket nutzt oder nicht und finanziert damit das Ticket derer mit, die es wirklich brauchen. Deswegen ist dieses Modell nicht auf die Freiwilligen übertragbar. Unsere Gruppe ist heterogener und wird auch nicht von einem einzigen Verhandlungspartner wie einer Studierendenschaft vertreten werden können. Nicht zuletzt wollen wir auch natürlich niemanden zwingen, das Ticket zu kaufen.

Bundesweit gibt es bereits inspirierende Ansätze, die öffentliche Verkehrsmittel niedrigschwellig für Freiwillige zugänglich machen: Das Hessenticket erlaubt es Schüler*innen und auch Freiwilligen beispielsweise, sich für einen Euro am Tag im ganzen Landesgebiet zu bewegen, ähnliches wird in Brandenburg und Berlin diskutiert. In Hannover fahren Freiwillige zum Schüler*innentarif für 15€ im Monat; viele weitere Verkehrsbetriebe gewähren Freiwilligen Zugang zu Azubitickets – diese sind allerdings häufig immer noch sehr teuer.

Doch was in Hessen super funktioniert, lässt sich nicht auf andere Bundesländer übertragen, in denen die Anzahl an Akteuren, die eingebunden werden müssten, schier zu hoch ist. Da es in Deutschland über 100 Tarif- und Verkehrsverbünde in 16 Bundesländern und noch mehr Kreisen und Gemeinden gibt, wird es sicherlich nicht das eine Freiwilligenticket geben. Die Forderung nach einem Freiwilligenticket steht deswegen vor allem stellvertretend für die Forderung nach flächendeckendem, vergünstigtem ÖPNV für Freiwillige. Klar: Langfristig wünschen wir uns, dass Freiwillige im ganzen Bundesgebiet kostenlos mobil sind. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg.

Am meisten bewegen können wir, wenn wir die Debatte über unser Anliegen beleben, über unsere Forderungen sprechen, uns Gehör verschaffen, an Aktionen teilnehmen und bei den eigenen Verkehrsbetrieben nach Vergünstigungen fragen. Denn das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer solchen Vergünstigung ist bereits da. Wir Freiwillige müssen nun die aktive Umsetzung einfordern.Bist Du interessiert, mitzuarbeiten? Auch für die BFD Bundesprecher*innen ist #FreieFahrtFuerFreiwillige von höchster Priorität! Schreib uns eine Nachricht an info@bundesprecher.net, um mehr über unsere Aktivitäten zu erfahren oder falls Du Tipps brauchst, was Du ganz konkret tun kannst. Auf unserer Facebookseite (BFD Bundesprecher*innen) bleibst Du über  den Fortschritt bei der Umsetzung und wichtige Aktionen informiert. Wir freuen uns auf euch!

¹“Unser Konzept für ein Jugendfreiwilligenjahr” – BMFSFJ

bundessprecher
Follow by Email
Facebook
Twitter
Instagram